Norbert Handa startet seine Abschiedstour

Am Wochenende beginnt die Saison in der deutschen Automobil-Bergrennmeisterschaft, und Norbert Hand sagt: „Ich fahre heuer meine letzte Saison, danach ist definitiv Schluss.“ Diese Ankündigung ist nachvollziehbar und wird einen Einschnitt für die Bergrennsport-Riege des Kitzinger Automobilclubs (AMC) mit sich bringen. Denn der Markt Einersheimer fährt seit seiner Premiere beim Schwanbergrennen im Jahr 1976 Bergrennen – ausnahmslos mit Rennern italienischer Hersteller.

Keiner vor ihm im AMC brachte es auf eine Rennsportlaufbahn von 43 Jahren – und so schnell wird es wohl auch danach keinen geben. Dabei errang er eine Vielzahl Pokale, Klassen- und Gruppensiege, bayerische Meistertitel, ADAC-Auszeichnungen, im Jahr 2005 gar den Gesamtsieg beim Eichenbühler Bergrennen und als Krönung zwei Titel als Deutscher Tourenwagen-Bergmeister in den Jahren 2002 und 2010.

Am Wochenende nun beginnt der begnadete Mechaniker und Konstrukteur seine Abschiedstour beim Schotten-Bergpreis. Norbert Handa wird am 13. Mai 68 Jahre alt und möchte sich künftig nicht mehr dem permanenten Zeitdruck unterwerfen. Seit dem Ende der Saison 2017 war er nach Thüringen, zweimal ins italienische Parma und dreimal ins kroatische Zagreb gefahren, um dann eine Woche vor Saisonbeginn den Motor revidiert, das Getriebe repariert und die Karosserie seines Lancia Delta Integrale HF auf Vordermann gebracht zu haben.

 

Solche Ochsentouren zehrten am Gemüt des Routiniers, der sich zunehmend schwer damit tut, ständig im Grenzbereich zu fahren. „Ich muss mich halt nicht wie der Vettel nur reinsetzen und fahren, sondern alles selbst machen – als Schrauber, Organisator oder Manager“, gibt der Un-(Ruheständler) zu bedenken. Freilich ist er froh darüber, „dass ich in 40 Jahren immer das Glück zuverlässiger Sponsoren hatte“, sonst wäre seine so erfolgreiche Laufbahn nicht möglich gewesen.

 

Jürgen Schuster will in diesem Jahr den Großteil der neuen Rennen um die deutsche Meisterschaft bestreiten. Der 37-Jährige aus dem mittelfränkischen Weihenzell hat sich erst einmal in den KW-Berg-Cup eingeschrieben und über den Winter viel an seinem feuerroten Mazda RX7 gearbeitet. Er ließ das Getriebe überholen, spendierte seinem Rennfahrzeug einen neue Auspuffanlage und stellte den Motor von Vergaser auf elektronische Einspritzung um. Bisher hatte der Mazda 250 PS. Erst wenn das Auto auf einem Motorenprüfstand war, wird Schuster erfahren, wie viel Leitung er künftig unter der Motorhaube hat, um in der umkämpften 2000-Kubikzentimeter-Klasse der Gruppe H ein gewichtigeres Wort mitreden zu können.

 

Klaus Hoffmann ist im Jahr 2012 in seinem Opel Astra Deutscher Tourenwagen-Bergrennmeister gewesen. Doch in Folge der Reglementsänderungen fuhr er sein Engagement in den vergangenen Jahren zurück. Nachdem er kürzlich Ersatzteile bekommen hatte, konnte er seinen ehemaligen DTM-Renner wieder einsatzfähig machen, und nun plant er, die beiden Bergrennen in Unterfranken zu bestreiten. Hoffmann kann sich der Unterstützung des Tourenwagen-Rekordmeisters Norbert Brenner sicher sein. Der wird ihm jetzt beratend zur Seite stehen, und gemeinsam wollen sie eventuell noch das Ibergrennen angehen. Der Motorsportweltverband FIA nämlich hat eine komplette Neueingruppierung von Bergrennsportfahrzeugen auf den Weg gebracht, der bisherige Ungleichbehandlungen abschaffen könnte.

Sollten die Verantwortlichen des Deutschen Motorsportbundes diese neue Eingruppierung übernehmen, käme das Klaus Hoffmann entgegen, und seine diesjährigen Rennerfahrungen könnten dann wertvoll für die Zukunft sein. Parallel will Hoffmann noch einen Ford Focus gemäß dem neuen Reglement fertig bauen und dann sporadisch damit am Berg aufkreuzen.

 

Ein Jahr Pause werden Christian Dümler und Norman Struckmann einlegen. Struckmann hat aus beruflichen Gründen keine Zeit für notwendige Überholungen an seinem Ford Escort Cosworth. Der AMC-Sportleiter und Bordnetze-Spezialist beim Autozulieferer Leoni ist immer wieder in England und verantwortlich für den gesamten Leitungssatz des AMG-Projektes F1, bei dem in einer limitierten Auflage 275 Carbon-Renner mit Formel 1-Motor von Mercedes gebaut werden. Dümler hat aktuell nicht die finanziellen Mittel, um einen neuen und konkurrenzfähigeren Motor zu kaufen, und hofft auf eine erfolgreiche Sponsorensuche.

 

Dass Dümler pausiert, gerät seinem Klubkollegen Martin Schug zum Nachteil. Beide waren in der Vergangenheit immer zusammen auf den Rennen und nutzten Dümlers Equipment. Auf sich allein gestellt, hat sich Golf-Fahrer Martin Schug ein Wohnmobil bestellt, dessen auf April geplante Auslieferung sich aber wohl bis mindestens Juni verzögert. Der 29-jährige Hauptfeldwebel bei der Bundeswehr in Volkach wird die beiden Unterfranken-Rennen auf jeden Fall bestreiten und will schon vorher einsteigen, sobald die logistische Frage geklärt ist.

 


Die Fahrer "am Berg"

Christian Dümler

Martin Schug

Jürgen Schuster

Norman Struckmann