Christian Handa gewinnt seinen ersten Pokal;   Christian Dümler brettert abseits der Fahrbahn auf Platz fünf in der Rhön

 

Für Christian Handa vom AMC Kitzingen lief das 50. Hauenstein-Bergrennen ziemlich gut, der Bergrennsport-Novize durfte sich in seiner Anfänger-Saison jetzt über seinen ersten Pokal freuen. Er belegte in seiner Klasse der Gleichmäßigkeitsprüfung (GLP) Rang zehn unter 25 Konkurrenten und hätte locker noch besser abschneiden können.

   

Doch Gleichmäßigkeit bedeutet, im ersten Rennlauf eine Referenzzeit zu fahren und diese möglichst zweimal zu wiederholen, denn die Abweichungen entscheiden über die Platzierungen. Der 24-Jährige fuhr in seinem Lancia Delta Integrale HF Evo III zuerst die Zeit von 2:25,46 Minuten und bemängelte aber, nicht die volle Motorleistung gehabt zu haben. Zusammen mit seinem Vater Norbert Handa ging er auf Ursachenforschung, wurden aber nicht fündig. Den zweiten Lauf beendete er mit 2:26,19 Minuten und war nur neun Zehntelsekunden von der Referenzzeit abgewichen. Jetzt kam er in eine Zwickmühle, will Christian Handa vordergründig Rennerfahrung sammeln und an allen DM-Rennen gute Zeiten erzielen. Doch auf der anderen Seite kam er in die Versuchung, auf Platz acht liegend, doch einen GLP-Pokal gewinnen zu könne. „Fahr einfach noch einmal eine 25er-Zeit“ riet ihm sein Vater, doch ein paar kleinere Fehler führten dazu, dass eine Zeit von 2:26,22 Minuten herauskam. Unter dem Strich gab sich der Mainbernheimer zufrieden, denn die Zeiten waren ordentlich, die Platzierung gut und auch das Auto noch heil.

  

Sein Clubkollege Christian Dümler ging erstmals mit 275 PS unter der Haube seines VW Golf II in der Rhön an den Start. In der zahlenmäßig stärksten Klasse (Gruppe H /FS E1 bis 2000 Kubikzentimeter) mit 24 Fahrern lager nach Lauf eins mit 2:00,70 Minuten auf Rang vier. Doch im zweiten Durchgang wollte er ausgangs der Straus-Kurve zuviel und räuberte erst auf dem Bankett und touchierte die Leitplanke, was Zeit kostete. „Der Ralph Paulick wäre zu packen gewesen“, meinte der Prölsdorfer, der am Ende aber um eine halbe Sekunde hinter Paulick auf Platz fünf landete. Sein neuer 16-Ventiler-Motor bringt ein merkliches Leistungsplus und auch das Problem des Untersteuerns hat der

36-Jährige durch ein neues Achs-Differenzial in den Griff bekommen. Weniger ermutigend war derweil seine Erkenntnis, dass die Getriebeübersetzung überhaupt nicht passt und er für ein neues Getriebe neuerlich viel Geld in die Hand nehmen müsste.

 

Dritter im Bunde der AMC-Piloten war der Fürrnbacher Martin Schug, der ebenfalls einen VW Golf II steuert. Er war bestrebt, seine persönlichen Bestmarken in der Rhön zu verbessern, aber genau das Gegenteil war der Fall. Seine Zeit von 2,14 Minuten aus dem Vorjahr verfehlte er um Längen und musste sich deswegen am Ende mit Rang 22 begnügen.

 

Bilder und Text: Hartmut Hess


Klaus Hoffmann zwischen Astra und Corvette

Mit neuem Motor im VW Golf will Christian Dümler in neue Bereiche vorstoßen (im Hintergrund sein Vater Thomas Dümler).
Mit neuem Motor im VW Golf will Christian Dümler in neue Bereiche vorstoßen (im Hintergrund sein Vater Thomas Dümler).

Der Motorsportler Klaus Hoffmann plant in diesem Jahr erneut zweigleisig: einerseits mit Berg-Einsätzen in seinem Opel Astra, andererseits mit seinem neuesten Renner, einer amerikanischen Corvette, auf der Rundstrecke. Im Bergrennsport soll im nächsten Jahr die Performance-Klassifizierung eingeführt werden, und darauf will der Kitzinger Lackspezialist seinen ehemaligen Tourenwagen-Boliden mit Unterstützung des Eichenbühler Tourenwagen-Rekordmeisters Norbert Brenner trimmen.

„Wir wollen den Astra auf das Niveau heben, das Brenners neuerer Opel Vectra hatte“, sagt Klaus Hoffmann. Hoffmann rechnet frühestens im Juni mit dem einsatzbereiten V8-Renner und spielt mit dem Gedanken, dann die Bergrennen zur deutschen Meisterschaft in Homburg, am Iberg und in Eichenbühl zu bestreiten, um in der Tagesgesamtwertung ein Wort mitzureden.

Zuvor bieten sich für den deutschen Tourenwagen-Bergmeister des Jahres 2012 Rundstreckeneinsätze mit seiner Corvette in der Spezial-Tourenwagen-Trophy (STT) an, wo er in der Vergangenheit mit einem GT2-Porsche hineingeschnuppert hatte. „Ich habe die Zusage des STT-Rennleiters Rolf Krepschik, dass ich jederzeit als Gastfahrer STT-Rennen bestreiten kann“, berichtet der 55-Jährige. Die Corvette hat er vom Allgäuer Werner Jetzt zur Verfügung gestellt bekommen, der GT3-Renner schöpft 600 PS aus einem 7,2-Kubikmeter-Motor und hat ein Kampfgewicht von 1180 Kilogramm.

Die Kombination des Namens Handa mit einem Lancia Delta Integrale HF gehörte über Jahrzehnte zum Besten, was es in der deutschen Bergrennmeisterschaft für Tourenwagen gab. Handas Name mit einem Lancia Delta wird auch dieses Jahr in Starterlisten auftauchen, doch in anderer Konstellation. Denn Handa senior hat im vergangenen Jahr als 68-Jähriger seine große Laufbahn beendet und seinen 650 PS-Boliden verkauft.

Jetzt fährt sein Sohn Christian in einem Integrale EVO III, den ein Zwei-Liter-Turbomotor mit 200 PS Leistung antreibt. Der 23-jährige Industriekaufmann, der gerade seinen Fachwirt macht, will als Motorsport-Novize in der Sparte Gleichmäßigkeitsprüfung (GLP) erste Rennerfahrung sammeln. „Ach, ist das geil“, war sein Kommentar nach seinem ersten Trainingslauf beim Schotten-Bergpreis.

Nachdem am Samstag ein kaputt gegangener Flachriemen dazwischen gefunkt hatte, kam sein Vater dem Übel in Form einer gelockerten Schraube auf die Spur. Christian Handa steigerte sich in den Rennläufen auf eine Zeit von 1:38 Minuten und war damit rund zwei Sekunden schneller als alle anderen GLP-Fahrer. Er erlebte nur eine Schrecksekunde, als ihm einmal das Heck des Lancia ausbrach.

Aber auch die Ursache dafür war bald gefunden, hatte doch ein anderer Fahrer an der Stelle Getriebeöl verloren. „Der Christian ist sauber gefahren, mal schauen ob er noch diese Saison in die historische Klasse wechselt und dort um Klassensiege mitfahren kann“, sagt Norbert Handa.

Mit einem neuen Motor möchte Christian Dümler in vordere Bereiche der Zwei-Liter-Klasse in der Gruppe H vorstoßen. Der Mann aus dem Rauhenebracher Ortsteil Prölsdorf hat jetzt ein Lehmann-Aggregat mit geschätzten 275 PS unter der Haube seines VW Golf II. Der 36-jährige Kfz-Mechaniker für Wohnmobile stieg im luxemburgischen Eschdorf in die Saison ein. Dort lief für ihn bei Schnee und Frost manches schief: Nach verkorksten Trainingsläufen und einem Wertungslauf musste er in Eschdorf wegen Getriebeproblemen vorzeitig aufgeben.

Martin Schug wird in seinem 220-PS-Golf vermutlich in Wolsfeld in die Saison einsteigen und bis zu sechs Rennen absolvieren. Der 29-jährige Kfz-Meister aus dem Rauhenebracher Ortsteil Fürnbach fährt in der Zwei-Liter-Klasse, der zahlenmäßig stärksten Klasse am Berg.

Die Reihe der Fahrer des AMC Kitzingen ist dieses Jahr nicht komplett aktiv. Denn Sportleiter Norman Struckmann ist beruflich derart eingespannt, dass er keine Zeit für Rennen hat. Der einsatzbereite Mazda RX7 von Jürgen Schuster wird diese Saison aller Voraussicht nach in der Garage bleiben. Er hatte mit dem zweiten Platz in der nationalen Wertung des KW-Berg-Cups im vergangenen Jahr seinen größten Erfolg gefeiert, doch momentan lässt ihm der Hausbau keine Zeit für sein rasantes Hobby.

Verfasser: Hartmut Hess

 


Norbert Handas grandioser Abgang

Schon die ganze Saison über erhielt Norbert Handa viele Sympathiebekundungen von Fans aus ganz Deutschland und anderen Ländern. Jetzt bestritt er beim Bergrennen in Eichenbühl nach 42 Jahren Motorsport sein letztes Rennen und als er nach Rennende zu Tal rollte, applaudierten ihm die Fans stark und verneigten sich vor einem der „Großen im deutschen Bergrennsport“, wie es Streckensprecher Hannes Martin ausdrückte. „Norbert Handa hat uns über Jahrzehnte hinweg viel Freude gemacht“, fügte der zweite Streckensprecher Uli Kohl hinzu.

 

Angesprochen darauf, welcher denn der schönste Titel seiner langen Karriere gewesen sei, musste Handa nicht lange überlegen und sagte: „Der heutige!“ Denn dass er zum Abschied zum zweiten Mal den DMSB-Bergcup für Tourenwagen gewann, in der Tageswertung den Klassensieg und den Sieg in der Tourenwagen-Division holte, waren Ausdruck der Klasse des Markt Einersheimers. Im Fahrerlager bereiteten ihm dann rund 100 Clubmitglieder des AMC Kitzingen mit dem Vorsitzenden Walter Loschky und Freunde einen großen Bahnhof. Während er mit seinem bildschönen Lancia Delta Integrale HF ankam, hüllten ihn die Menschen in einen Wall des Beifalls. An seinem Zelt prangte ein Banner mit den großen Lettern ein Banner „Danke Norbert für 42 Jahre Rennsport im AMC Kitzingen“. Noch 

Noch bevor der Gratulationscour starten konnte, verpassten ihm der AMC-Vizevorsitzende Rainer Gutzeit und Fahrerkollegen mit Sekt eine ordentliche Siegerdusche. Der 68-Jährige durfte sich auch noch über ein Geschenk einer Eichenbühler Damen-Gruppe freuen, die ihm ein selbst gemaltes Bild seines weiß-blauen Knauf-Renners überreichte. Norbert Handa war überwältigt von diesem grandiosen Ende einer langen Karriere mit mehreren bayerischen Meistertiteln, Siegen im Fiat-Sportpokal, mehrere Titel des DMSB-Bergcups für Tourenwagen, den Gesamtsieg in Eichenbühl im Jahr 2005 und als Sahnehäubchen die zwei Titel des Deutschen Tourenwagen-Bergmeisters in den Jahren 2002 und 2010.

 

Noch bevor der Gratulationscour starten konnte, verpassten ihm der AMC-Vizevorsitzende Rainer Gutzeit und Fahrerkollegen mit Sekt eine ordentliche Siegerdusche. Der 68-Jährige durfte sich auch noch über ein Geschenk einer Eichenbühler Damen-Gruppe freuen, die ihm ein selbst gemaltes Bild seines weiß-blauen Knauf-Renners überreichte. Norbert Handa war überwältigt von diesem grandiosen Ende einer langen Karriere mit mehreren bayerischen Meistertiteln, Siegen im Fiat-Sportpokal, mehrere Titel des DMSB-Bergcups für Tourenwagen, den Gesamtsieg in Eichenbühl im Jahr 2005 und als Sahnehäubchen die zwei Titel des Deutschen Tourenwagen-Bergmeisters in den Jahren 2002 und 2010.

 

Norbert Handa hatte im Rennen eine starke Performance geboten und stellte den Innsbrucker Herbert Stolz in seinem vor PS strotzenden Porsche 935 DP II im Duell der Altmeister in allen drei Läufen in den Schatten. Als schnellster Tourenwagen-Pilot belegte er Gesamtrang neun im Feld der 180 Starter.

 

 

 


Andere brausen mit 68 Jahren längst nicht mehr mit 200 Sachen Bergrennstrecken hinauf und wieder andere genießen ab dem 65. Lebensjahr den Ruhestand. Doch das ist bei Norbert Handa nicht so. „Ich bin ein arbeitender Rentner“, sagt der Knauf-Mitarbeiter, der in der Deutschen Automobil-Bergrennmeisterschaft aktuell so schnell unterwegs ist wie kaum zuvor.

 

Als einziger Fahrer des AMC Kitzingen hat der Routinier in seinem weiß-blauen Knauf-Renner alle bisherigen Rennen bestritten – und das überaus erfolgreich. Er musste sich in seiner E1-Klasse über 3.000 Kubikzentimeter nur zweimal dem Österreicher Herbert Pregartner im GT2-Porsche beugen, daneben fuhr er drei Klassensiege ein. Für den weiteren Konkurrenten aus Österreich, Herbert Stolz, lief es heuer nicht toll, so dass er Handa nicht mehr dauerhaft das Wasser reichen kann. Zuletzt beim Ibergrennen war Handa in seinem Lancia Delta Integrale wieder einmal im Tourenwagen-Segment nicht zu schlagen. „Da war ich schon im zweiten Trainingslauf schneller als im Vorjahresrennen“, konstatierte der Markt Einersheimer erfreut. Er distanzierte zwei Konkurrenten in GT3-Porsches um Längen, hatte diesmal auch die schnellsten der E1-Klasse der Gruppe H bis 2 000 Kubikzentimeter im Griff und platzierte sich auf Gesamtrang sechs unter 110 Startern hervorragend. „Ich bin noch auf keiner anderen Strecke in der Vergangenheit schneller gewesen als heuer“, versichert der 68-Jährige. Denn bei der Revision des Lancia-Motors über den Winter in Parma machten die Techniker dort den Motorblock noch standhafter. Handa selbst konstruierte die Halterung des Ventils neu, das den Ladedruck des Turboladers regelt und jetzt läuft das Allrad-Fahrzeug ohne Beanstandungen und der Fahrer fühlt sich aktuell pudelwohl.
„Dass viele Fans traurig sind, dass ich aufhöre“, weiß der Markt Einersheimer, auf den immer wieder Sympathie-Bekundungen für ihn als Fahrer und seinen weiß-blauen Lancia zukommen. Er übt sich jetzt schon in Vorfreude auf die unterfränkischen DM-Rennen am Hauenstein (28.29. Juli) und in Eichenbühl (8./9. September). Dann wird er sich wieder mit Herbert Pregartner duellieren und vielleicht ist dann auch Herbert Stolz wieder konkurrenzfähig zu einem Dreikampf, der in den vergangenen Jahren die Bergrennsportfans elektrisierte.

Im aktuellen Zwischenstand der Deutschen Bergmeisterschaft verbesserte er sich in Bad Heiligenstadt mit jetzt 86 Punkten auf Rang drei hinter dem Führenden Dirk Preißer (92) und Frank Debruyne (87). Im vergangenen Jahr hatte sich der Deutsche Tourenwagen-Bergmeister der Jahre 2002 und 2010 den zweihöchsten Titel, den des DMB-Bergcup-Siegers gesichert. Er befindet sich auf dem besten Weg, diesen Erfolg zu wiederholen, führt er diese Wertung doch mit einigem Vorsprung von Dirk Preißer und dem weiteren Kadett-Piloten Günter Göser an. „Die Fahrer der Zwei-Liter-Klasse nehmen sich gegenseitig die Punkte ab“, frohlockt Norbert Handa. Er möchte sich mit starken Leistungen nach 43 Jahren Motorsport verabschieden, macht er doch spätestens zum Saisonende Schluss. Freilich könnte das Saisonende für ihn abrupt früher eintreten, da er seinen 650-PS-Boliden zum Verkauf ausgelobt hat. „Wenn heute ein Käufer ernsthaft Interesse hat, kann das Auto morgen verkauft sein“, skizziert Norbert Handa die Situation. Sein Sohn Christian will zwar auch künftig Bergrennen fahren, aber nicht in die übergroßen Fußstapfen seines Vaters treten. „Wir richten meinen alten Lancia Delta für Christian her. Er wird einen serienmäßigen Motor mit um die 280 PS drin haben“, sagt Norbert Handa. Dann will der Filius Gleichmäßigkeitsprüfungen fahren, die weniger kosten und nicht dem Berg-Reglement unterliegen, keiner Lizenz und finanziell keines hohen Aufwands bedürfen.


Norbert Handa startet seine Abschiedstour

Am Wochenende beginnt die Saison in der deutschen Automobil-Bergrennmeisterschaft, und Norbert Hand sagt: „Ich fahre heuer meine letzte Saison, danach ist definitiv Schluss.“ Diese Ankündigung ist nachvollziehbar und wird einen Einschnitt für die Bergrennsport-Riege des Kitzinger Automobilclubs (AMC) mit sich bringen. Denn der Markt Einersheimer fährt seit seiner Premiere beim Schwanbergrennen im Jahr 1976 Bergrennen – ausnahmslos mit Rennern italienischer Hersteller.

Keiner vor ihm im AMC brachte es auf eine Rennsportlaufbahn von 43 Jahren – und so schnell wird es wohl auch danach keinen geben. Dabei errang er eine Vielzahl Pokale, Klassen- und Gruppensiege, bayerische Meistertitel, ADAC-Auszeichnungen, im Jahr 2005 gar den Gesamtsieg beim Eichenbühler Bergrennen und als Krönung zwei Titel als Deutscher Tourenwagen-Bergmeister in den Jahren 2002 und 2010.

Am Wochenende nun beginnt der begnadete Mechaniker und Konstrukteur seine Abschiedstour beim Schotten-Bergpreis. Norbert Handa wird am 13. Mai 68 Jahre alt und möchte sich künftig nicht mehr dem permanenten Zeitdruck unterwerfen. Seit dem Ende der Saison 2017 war er nach Thüringen, zweimal ins italienische Parma und dreimal ins kroatische Zagreb gefahren, um dann eine Woche vor Saisonbeginn den Motor revidiert, das Getriebe repariert und die Karosserie seines Lancia Delta Integrale HF auf Vordermann gebracht zu haben.

 

Solche Ochsentouren zehrten am Gemüt des Routiniers, der sich zunehmend schwer damit tut, ständig im Grenzbereich zu fahren. „Ich muss mich halt nicht wie der Vettel nur reinsetzen und fahren, sondern alles selbst machen – als Schrauber, Organisator oder Manager“, gibt der Un-(Ruheständler) zu bedenken. Freilich ist er froh darüber, „dass ich in 40 Jahren immer das Glück zuverlässiger Sponsoren hatte“, sonst wäre seine so erfolgreiche Laufbahn nicht möglich gewesen.

 

Jürgen Schuster will in diesem Jahr den Großteil der neuen Rennen um die deutsche Meisterschaft bestreiten. Der 37-Jährige aus dem mittelfränkischen Weihenzell hat sich erst einmal in den KW-Berg-Cup eingeschrieben und über den Winter viel an seinem feuerroten Mazda RX7 gearbeitet. Er ließ das Getriebe überholen, spendierte seinem Rennfahrzeug einen neue Auspuffanlage und stellte den Motor von Vergaser auf elektronische Einspritzung um. Bisher hatte der Mazda 250 PS. Erst wenn das Auto auf einem Motorenprüfstand war, wird Schuster erfahren, wie viel Leitung er künftig unter der Motorhaube hat, um in der umkämpften 2000-Kubikzentimeter-Klasse der Gruppe H ein gewichtigeres Wort mitreden zu können.

 

Klaus Hoffmann ist im Jahr 2012 in seinem Opel Astra Deutscher Tourenwagen-Bergrennmeister gewesen. Doch in Folge der Reglementsänderungen fuhr er sein Engagement in den vergangenen Jahren zurück. Nachdem er kürzlich Ersatzteile bekommen hatte, konnte er seinen ehemaligen DTM-Renner wieder einsatzfähig machen, und nun plant er, die beiden Bergrennen in Unterfranken zu bestreiten. Hoffmann kann sich der Unterstützung des Tourenwagen-Rekordmeisters Norbert Brenner sicher sein. Der wird ihm jetzt beratend zur Seite stehen, und gemeinsam wollen sie eventuell noch das Ibergrennen angehen. Der Motorsportweltverband FIA nämlich hat eine komplette Neueingruppierung von Bergrennsportfahrzeugen auf den Weg gebracht, der bisherige Ungleichbehandlungen abschaffen könnte.

Sollten die Verantwortlichen des Deutschen Motorsportbundes diese neue Eingruppierung übernehmen, käme das Klaus Hoffmann entgegen, und seine diesjährigen Rennerfahrungen könnten dann wertvoll für die Zukunft sein. Parallel will Hoffmann noch einen Ford Focus gemäß dem neuen Reglement fertig bauen und dann sporadisch damit am Berg aufkreuzen.

 

Ein Jahr Pause werden Christian Dümler und Norman Struckmann einlegen. Struckmann hat aus beruflichen Gründen keine Zeit für notwendige Überholungen an seinem Ford Escort Cosworth. Der AMC-Sportleiter und Bordnetze-Spezialist beim Autozulieferer Leoni ist immer wieder in England und verantwortlich für den gesamten Leitungssatz des AMG-Projektes F1, bei dem in einer limitierten Auflage 275 Carbon-Renner mit Formel 1-Motor von Mercedes gebaut werden. Dümler hat aktuell nicht die finanziellen Mittel, um einen neuen und konkurrenzfähigeren Motor zu kaufen, und hofft auf eine erfolgreiche Sponsorensuche.

 

Dass Dümler pausiert, gerät seinem Klubkollegen Martin Schug zum Nachteil. Beide waren in der Vergangenheit immer zusammen auf den Rennen und nutzten Dümlers Equipment. Auf sich allein gestellt, hat sich Golf-Fahrer Martin Schug ein Wohnmobil bestellt, dessen auf April geplante Auslieferung sich aber wohl bis mindestens Juni verzögert. Der 29-jährige Hauptfeldwebel bei der Bundeswehr in Volkach wird die beiden Unterfranken-Rennen auf jeden Fall bestreiten und will schon vorher einsteigen, sobald die logistische Frage geklärt ist.

 


Die Fahrer "am Berg"

Christian Dümler

Martin Schug

Jürgen Schuster

Norman Struckmann